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Die Geschichte
100 Jahre Krefelder Husarenkaserne:
Steine mit Geschichte. Ideen mit Zukunft.
Pikant, pikant. Im Grunde begann die Geschichte der stolzen Krefelder Husarenkaserne vor 104 Jahren mit einem handfesten Eklat. Jedenfalls dann, wenn die preußische Gerichtsbarkeit seinerzeit sozusagen „normalsterbliche“ Maßstäbe angelegt hätte. Im Mittelpunkt der öffentlichen Erregung: Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., Krefelder Ehrendamen und „Tanzhusaren“. Was war geschehen?
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Ganz einfach: Mit dem während seines ersten Seidenstadt-Besuches 1902 wohl eher flapsig gegebenen Versprechen, den Ehrendamen der Krefelder Gesellschaft schon bald „Leutnants zum Tanzen“ zuzuführen, verfing sich Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. damals ungewollt und ahnungslos in den formaljuristischen Fallstricken des streng gehandhabten Straftatbestandes der Kuppelei. Immerhin kein Kavaliersdelikt. Übeltätern drohten im zackigen Deutschen Reich damals noch bis zu fünf Jahre Zuchthaus sowie der Verlust aller bürgerlichen Ehrenrechte. Natürlich musste seine Majestät wegen dieses Falles am Ende nicht vor den Kadi und doch sorgte die seinerzeit höchst delikate Äußerung am Rande für einiges empörtes Medienrauschen im prüden deutschen Blätterwald der Jahrhundertwende. Noch einmal zur Erinnerung: Kurz vor seiner Abreise führte Wilhelm Zwo damals Conversation mit den führenden Töchtern der Stadt. „Tanzen Sie auch schön mit meinen Leutnants?“, erkundigte sich seine Majestät der Überlieferung zufolge nach Sinnen und Frommen der rheinischen Untertaninnen. „Nein, wir haben ja keine“, bekam er daraufhin zur bedrückenden Antwort. Eine peinliche Pause entstand bis der Kaiser die Situation mit einem Versprechen rettete: „Dann schicke ich Ihnen eben welche.“
Schnelle Stadtverwaltung.
Und er hielt Wort. Noch am selben Abend bestätigte Seine Majestät das Vorhaben per Telegramm. Am 21.06.1902 verfügte Wilhelm II. die Verlegung des Zweiten Westfälischen Husarenregiments Nr. 11 von Düsseldorf nach Krefeld. Besonders beeindruckend in diesem Zusammenhang: das damalige Tempo der zuarbeitenden Krefelder Verwaltung. Denn nicht einmal eine Woche später am 27.06. beschloss die zuständige Stadtverordnetenversammlung, das erforderliche Terrain für den Kasernenbau zu beschaffen. Am 11.11. des gleichen Jahres schließlich wurde dann dem Erwerb des alten „Kempener Feldes“ zugestimmt und im Herbst 1904 mit dem Bau der Gesamtkasernenanlage begonnen. Als verantwortliche Baumeister hierfür schickte Seine Majestät die bewährten Herren Regierungsbaumeister Knoch und Kallmeyer aus Halle/Saale ins Rheinland. Die detaillierten Pläne indes kamen direkt aus dem Kaiserlichen Kriegsministerium.
Damals Kaisers Reitplatz.
Heute KönigPalast.
Die einzelnen Kasernengebäude wurden um einen großzügigen rechteckigen Exerzierplatz hoch gemauert. Ein Reitplatz mit Stallgebäude schloss sich an. Im westlichen Teil der Anlage brachte man Proviantamt und Magazine unter. Im Osten entstand die Offizierspeiseanstalt. Um die Anbindung der Kaserne an die Krefelder Stadtteile zu verbessern, wurde das Straßensystem der Seidenstadt großzügig erweitert. Die alte Bissingstraße (heute Westparkstraße) führte über die Girmesgath auf eine platzartige Erweiterung, den Bissingplatz (heute Konrad-Adenauer-Platz), auf dem in den 50er Jahren das Verwaltungsgebäude der Vereinigten Seidenwebereien durch den Architekten Professor Eiermann errichtet wurde. Diese Platzerweiterung blieb bis heute noch weitgehend erkennbar auch wenn die ursprüngliche Kasernenanlage nur noch in Teilen erhalten ist. Zum einen mit dem Gebäude der ehemaligen Offizierspeiseanstalt sowie Stabsunterkunft Ecke Girmesgath/Westparkstraße (ehemaliges Straßenverkehrsamt). Zum anderen die Doppel-Eskadron-Kaserne an der Westparkstraße (ehemaliges Kreiswehrersatzamt). Die zweite Doppel-Eskadron-Kaserne am Girmesgath (Berufskolleg) übrigens planungsgleich mit dem Kreiswehrersatzamt wurde nach dem Krieg nicht mehr in den Originalzustand zurück gebaut. Längst haben auch andere Nutzungen die militärisch-hoheitliche Verwendung abgelöst. Mitten auf dem kaiserlichen Reitplatz der alten Kaserne steht heute der neue „KönigPalast“. Und auch die Doppel-Eskadron-Kaserne hat den wilhelminischen Drill längst hinter sich.
Zwischen Krieg und Prestige.
Dass Krefeld 1906 endlich die lang ersehnte „Garnisonsstadt“ wurde, beruht natürlich nicht allein auf dem flüchtigen „Tanzhusaren“-Versprechen des Kaisers. Vielmehr entschieden Faktoren von weitaus bedeutenderem Gewicht die Verlegung der Husaren in die Seidenstadt. Dabei der mit Abstand wichtigste Punkt: Die Militärstrategen im Berliner Kriegsministerium verfolgten mit dem damals revolutionären „Schlieffen-Plan“ eine neue operative Taktik. Sie sah vor, im Falle eines bewaffneten Konfliktes mit massierten Kräften im Westen des Reichs über die damals neutralen Beneluxstaaten in einem weit ausholenden Bogen sozusagen „von hinten“ nach Frankreich einzufallen. Eine Entwicklung, die zudem auf den innigen Krefelder Wunsch traf, aus Prestigegründen unbedingt Garnisonsstadt werden zu wollen. Hierfür übernahm die Stadt seinerzeit sogar die Baukosten von damals 2,4 Millionen Mark, was einem heutigen Wert von rund 70 Millionen Euro entspricht. Doch Krefeld konnte sich solchen Luxus damals leisten. Schließlich wurde in der Seidenstadt nach Potsdam das damals höchste Pro-Kopf-Einkommen im Deutschen Reich erwirtschaftet.
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